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Racing 70.3 Zell am See

 

… war auch der Name der WhatsApp Gruppe, welche ich zum Informationsaustausch für meine Freundin an der Strecke und einige Freunde, Verwandte und Bekannte zu Hause erstellt hatte. Unter diesem Motto stand die letzte volle Augustwoche und viele Wochen der Vorbereitung. Zwei Tage nach Zieleinlauf sitze ich immer noch voller Euphorie und Freude vor dem Laptop und möchte euch an meinem ersten Ironman 70.3 teilhaben lassen. Da das Rennen sehr lang war, ist auch der Bericht etwas länger ausgefallen:

 

Trotz mittlerweile neun Jahren Triathlonerfahrung habe ich noch nie einen so großen Wettkampf bestritten. Der Ironman 70.3 Zell am See Kaprun stellte in vielerlei Hinsicht eine neue Dimension dar: Mein größtes Starterfeld (2500 Athleten), die längste Strecke (1,9km S - 90km R - 21,1km L) und die höchste Startgebühr ;-) Schon eine Woche vor dem eigentlchen Rennen war ich in Zell am See vor Ort und nutzte die Tage vor dem Rennen, um die Wettkampfstrecken zu testen und nochmal Energie zu tanken. Mit einigen Portionen Pasta im Magen ging ich schließlich Samstag Abend ziemlich aufgeregt ins Bett. Da der Start erst 11:10 Uhr war, konnte ich entspannt gegen 7:30 Uhr frühstücken. Das Einchecken des Rades erfolgte schon Samstag. Deshalb galt es früh nur noch einmal Luft aufzupumpen, kurz die Wechselbeutel zu prüfen, sich Einzulaufen (inkl. Lauf-Abc und Steigerungen) und den Neoprenanzug anzuziehen. Durch die Einordnung in die Startblöcke des Rolling Start musste das Einschwimmen schon 20min vor Start beendet sein.

 

Das Schwimmen verlief unspektakulär und war nach 30:12min beendet. Wie geplant konnte ich schnell Füße finden, nur auf dem Rückweg mit Blick in die Sonne verlor ich ein wenig die Orientierung und schwamm eventuell ein wenig zu weit außen, da ich Probleme hatte, die Boien anzupeilen. Es folgte der (etwas zu lange) erste Wechsel, hier ist Optimierungsbedarf für’s nächste Mal. Auf die Radstrecke freute ich mich im Vorfeld besonders. Spätestens nach der Besichtigung war klar, dass mir hier nicht langweilig werden würde. Lange, flache Rollerstrecken wurden unterbrochen vom 12km langem Anstieg zum Filzensattel auf 1280 Meter. Die ersten 21km vergingen im 45,6er Schnitt ziemlich flott, aber kontrolliert. Am Anstieg versuchte ich mit gleichmäßiger Leistung um die 290W meine Tempo zu fahren, und mich nicht durch die allgemeine Wettkampfeuphorie zu verheizen. Dies gelang mir nur bedingt, denn ich überholte gerade im unteren Teil des Anstieges ständig andere Athleten. Nach dem finalen Teil es Anstieges mit zweistelligen Steigungswerten war der schwerste Teil der Strecke geschafft. Im zweiten Drittel legte ich Wert auf ausreichende Verpflegung mit Gels und Wasser, um genügend Körner für den Rest zu haben. Nach einem kurzem Gänsehautmoment bei der Ortsdurchfahrt in Zell am See merkte ich allerdings, wie meine Kraft langsam zur Neige ging. Ich fühlte mich nicht mehr super wohl in der Aero-Position und hatte Mühe, meine Zielleistung zu halten. Mit einem Schnitt von knapp 38km/h absolvierte ich die letzte halbe Stunde. Ein kurzer Blick auf meinen Tacho zeigte einen IF von 0.87, was am unteren Rand meiner Erwartung lag und meine Freude auf den abschließenden Lauf schürte. Die 90km Radstrecke absolvierte ich im Schnitt von 37,7km/h und einer Zeit von 2:23h.

 

Motiviert von den Anfeuerungsrufen meiner Freundin und der vielen Zuschauer liefen die ersten Kilometer in 3:35 und 3:40min/km noch ‚entspannt‘. Zu diesem Zeitpunkt musste ich mich noch bremsen, nicht noch schneller anzulaufen. Nach einigen kurzen aber steilen Stichen in der Altstadt von Zell war meine Euphorie aber schnell verflogen. Zwischen Kilometer drei und sechs machte mir mein Magen etwas zu schaffen, ich musste das Tempo drosseln und dachte darüber nach, warum ich mir den Mist hier eigentlich antue ;-) Mit Geduld, Wasser und Eis von den Verpflegungsstationen konnte ich meinen Rhythmus dann schließlich finden und ein konstantes Tempo anschlagen. Eingangs der zweiten Laufrunde überholte ich den Zweitplatzierten meiner Altersklasse, was mir zusätzliche Motivation gab. Die erhoffte Endbeschleunigung auf den letzten 5-7 Kilometern fielen dann allerdings der Ermüdung zum Opfer.. Mit einer Zeit von 1:22h für die 21,1km lief ich ins Ziel. Meinen Plan, auf der Zielgeraden die Stimmung zu genießen, Blickkontakt zu meiner Freundin aufzunehmen und zu jubeln schmiss ich spontan über den Haufen und warf mich in ein Sprintduell mit einem Franzosen. Das Ergebnis dürfen sich alle denken, die meine Sprintqualitäten kennen ;-D Leider erfuhr ich kurz nach Zieleinlauf, dass der von mir bereits überholte Italiener im Endergebnis 3!sec vor mir lag, was als Resultat des Rolling Start Prozedere für mich im Rennen so nicht zu erkennen war. Dieser Wehrmutstropfen bleibt beim Blick auf das Ergebnis. Bei einem gemeinsamen Start wären die drei Sekunden beim Laufen sicherlich drin gewesen.

 

Nach 4:23:04h überquerte ich völlig erschöpft und ausgelaugt die Ziellinie meines ersten Ironman 70.3 Triathlons. Das Ergebnis in Zahlen:

 

21.Platz /knapp 2500 Gesamt (20. Mann)
3.Platz AK 25-29
7. Agegrouper und bester deutscher Amateur

 

Auch wenn ich beim Laufen gern noch etwas schneller gewesen wäre, bin ich mit meinem Ergebnis sehr zufrieden. Mit meinem dritten Platz in der Altersklasse wäre ich zugleich für die 70.3 Weltmeisterschaft in Südafrika 2018 startberechtigt. Ich habe den Startplatz allerdings nicht angenommen. Das Erlebnis WM hebe ich mir für später auf und möchte nächstes Jahr weitere Erfahrungen auf der Mitteldistanz sammeln und meine Leistungen weiter verbessern. Das treibt mich an und macht Lust auf weitere Mittel- und Langstreckenrennen.

 

Danke an dieser Stelle an meine Freundin Maria, die im und abseits des Sports immer für mich da ist. Ohne dich wäre das so nicht möglich! Weiterhin an meine Familie, Freunde und Bekannte fürs Mitfiebern und die Unterstützung. Danke auch an den Laufladen Jena, an Maik Mittasch von der Kleenothek Textilreinigung, Christian Künast von der Speiche Gera für den Radsupport!

 

Sport Frei,

Theo