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Ironman 70.3 WM Nizza

Das war er also – mein Saisonhöhepunkt der Triathlonsaison 2019. Mit meiner Leistung zufrieden, im Ergebnis etwas anders als erhofft, aber damit muss ich leben. Dieser Wettkampfbericht wird diesmal etwas länger:

 

Schon eine Woche vorher reiste ich mit meiner Familie nach Nizza an die Cote d’Azur. Nach einer langen Autofahrt von rund 12h erwartete mich in Nizza bestes Wetter mit Sonnenschein und warmen 25°C. Die Zeit vor dem Rennen nutze ich für das ausgiebige Erkunden der Strecken. Auf dem Plan standen das Schwimmen im Meer, sowie das Abfahren und Ablaufen der Rad- und Laufstrecken. Schon die Auftaktdisziplin sollte spannend werden. In der Rennwoche war nicht klar, ob es ein Neoprenverbot geben würde. Die Wassertemperatur lag immer im Grenzbereich von 24,5°C. Gewöhnungsbedürftig waren der teilweise starke Wellengang und der hohe Salzgehalt im Wasser. Das Highlight der Rennstrecke ist auf jeden Fall der Radkurs. Die ersten und letzten 10km waren topfeben, dann ging es auf knapp 1000Hm zum Col de Vence hoch. Von dort folgte eine lange, unruhige Abfahrt zurück nach Nizza. Nach einer ausgiebigen Streckenbesichtigung fühlte ich mich gerüstet für den Wettkampftag. Die Laufstrecke ist eher unspektakulär. Zwei flache Runden entlang der Promenade versprachen schnelle Laufzeiten. Die Woche vor dem großen Tag verging dann wie im Flug: Training, Sightseeing, Baden und die obligatorischen Vorbereitungen füllten die Tage aus. Nach dem Abholen der Startunterlagen folgten am Donnerstag das Welcome Banquet für alle Athleten und das Race Briefing. Meine Nervosität stieg von Tag zu Tag. Gleichzeitig fühlte ich aber auch, wie die Form immer besser wurde und mein Körper bereit war, im Wettkampf alles zu geben! Eine große Überraschung gab es am Freitag Abend: Meine Eltern überraschten mich mit ihrem Besuch und waren zur Unterstützung angereist! Das hat mich richtig gefreut und mir nochmal einen Motivationsschub gegeben.

 

Am Sonntag war es dann soweit: Aufstehen um 04:30 Uhr, Abfahrt um 05:30 Uhr, letzte Checks am Zeitfahrrad und in der Wechselzone. Nach den Profis, welche um 07:00 Uhr starteten, erfolgte mein Start um 08:45 Uhr mit den Konkurrenten aus meiner Altersklasse. Die Wassertemperatur von 25,6°C bedeutete Neoprenverbot. Für mich war das leider ein kleiner Nachteil, da ich keinen Speedsuit (Schwimmanzug, den man bei Verbot von Neoprenanzügen tragen darf) dabei hatte. Das Schwimmen verlief trotzdem relativ gut. Die Orientierung im Meer klappte ordentlich. Ich hatte die meiste Zeit gute Füße zum Mitschwimmen und schluckte nicht zu viel Salzwasser 😉 Nach genau 30:00min war ich auf Platz 107 meiner Altersklasse. Die Aufholjagd konnte beginnen!

Der Radpart verging dann wie im Flug. Ich hatte mir vorher zusammen mit meinem Trainer einen Plan zurechtgelegt, wie schnell ich die einzelnen Anschnitte der Radstrecke fahren wollte. Zur Orientierung hatte ich mir diese Werte auch nochmal auf den Lenker geklebt. Gleich nach dem Aufstieg auf’s Rad wurde mir klar, dass heute höchste Konzentration gefragt war: Schließlich waren 10 von 13 Startwellen vor mir gestartet. Der Großteil der 3262 Männer befand sich also auf der Strecke vor mir! Berghoch war das kein großes Problem, auch wenn ich quasi immer auf dem Mittelstreifen der Straße fahren musste. Bergab musste man höllisch aufpassen, da immer wieder deutlich langsamere Athleten in den Kurven auftauchten. Hier ging ich ein kalkuliertes Risiko ein, um keinen Sturz zu riskieren. Meine angepeilten Werte konnte ich sehr gut umsetzen. Insgesamt hatte ich auf dem Rad richtig Spaß und konnte die Anstrengung zum Teil richtig genießen. Wie fordernd der lange Anstieg zum Col de Vence wirklich war, merkte ich auf den letzten flachen 10km. Hier gingen meine Kräfte langsam zu Ende und ich konnte nicht mehr die volle Power auf’s Pedal bringen. Nach 91,3km, 2:36:00h und einem Schnitt von 35,1km/h (das war die 40. Radzeit meiner AK) rollte ich in T2 ein. Meine Motivation für einen schnellen Lauf war an dieser Stelle noch groß. Auf dem ersten Kilometer bekam ich die erste Info zur aktuellen Platzierung von meiner Freundin Maria: „Platz 38! 5min nach vorne (Top10) und alles ist möglich“ Ab hier wurde es hart im Kopf. Meine Beine fühlten sich bescheiden an: Leichte Krampfansätze im hinteren Oberschenkel und Seitenstechen im Magenbereich erschwerten einen flüssigen Schritt. Ich versuchte trotzdem, ein ordentliches Tempo anzuschlagen. Das Laufen fühlte sich sehr flach an, war aber im Tempobereich von 3:35-3:45min/km voll im Rahmen. Ich versuchte mich jetzt immer gut zu verpflegen und holte ständig Leute ein. Meine kleinen Probleme gingen dann auch weg und es lief. Schon hier war mir aber klar, dass platzierungstechnisch heute nichts mehr drin ist. Ich holte zwar ständig auf, doch nicht weltbewegend. Die letzten 7km waren dann ein harter Kampf. Ich wurde immer langsamer und pendelte mich bei ~4min/km ein. Schnelles Laufen war nicht mehr möglich, ich hangelte mich von Verpflegungsstelle zu Verpflegungsstelle. Am Ende der Promenade erreichte ich endlich die Ziellinie. Geschafft! Ein Halbmarathon im Schnitt von 3:50min/km in einer Zeit von 1:20:51h brachte mich auf Platz 28 von 273 Startern meiner AK.

 

Leider nicht das, was ich mir vorher erhofft hatte! Mir war im Vorfeld klar, dass eine Platzierung in den Top10 meiner AK schwer werden würde. Dennoch dachte ich, dass es möglich sei. Extrem überrascht hat mich die Leistungsdichte in diesem Bereich. 4min schneller hätten schon Platz 12 meiner AK bedeutet. Wahnsinn, wie viele Athleten noch einen Halbmarathon von 1:20h rennen können. Ich bin mit den Leistungen in den drei Einzeldisziplinen zufrieden. Gerne wäre ich noch 2min schneller gelaufen, aber das war am Sonntag nicht drin. Mit meinem Trainingsaufwand und meinem Ansatz, diesen Sport zu betreiben, muss ich mit so einem Ergebnis leben. Wahnsinn, was in der Spitze meiner Altersklasse für Leistungen gebracht werden und wie sich das Leistungsniveau in den letzten Jahren entwickelt hat!

 

Vielen Dank an alle Freunde, Bekannte und Unterstützer für die ganzen Nachrichten und Wünsche. Danke auch für den besten Support vor Ort an meine Eltern, Anne und meine Maria! Ich werde jetzt noch eine Woche Urlaub mit meiner kleinen Familie hier in Nizza machen und die Beine baumeln lassen. Damit geht es in die wohlverdiente Saisonpause. Die ersten Ziele für 2020 stehen schon fest, es wird ein spannendes Jahr. Doch davon später mehr!

 

 

Sport Frei,
Theo